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Gen- und Artenvielfalt auf Hessens Feldern

ÖDP Hessen fordert Unterstützung für Saatgut-Open-Source-Initiativen

(Bildrechte: Markus Hutter/ÖDP Hessen)

Es ist kaum zu glauben: lediglich vier Konzerne [u. a. Bayer (Monsanto), Corteva (DuPont) und ChemChina (Syngenta)] beherrschen weit mehr als 75% des weltweiten Handels mit Saatgut und bestimmen somit nicht nur den Preis sondern auch was gepflanzt wird. Schon lange kämpft die ÖDP Hessen gegen diese Saatmonopole und fordert vehement die Unterstützung der Landesregierung für sogenannte Open-Source-Initiativen, die patentfreies Saatgut für Getreide, Bohnen und Tomaten allen zugänglich machen wollen und damit für Saat- und Artenvielfalt sorgen wollen.

 

Was sind Open-Source-Saaten?

Beispiel Roggen; die Sorte Baldachin ist die erste in Deutschland gezüchtete Sorte Roggen, die mittels Crowd-Funding gezüchtet wurde. Er ist ein sogenannter »Open Source«-Roggen, also ein Roggen, der allen gehört. Ob Open-Source-Software, Open-Source-Pharmaforschung oder Open-Source-Saatgut, alle beruhen auf dem gleichen Prinzip: Dieses Gut hat jemand entwickelt und stellt es nun der Allgemeinheit zur Verfügung. In Summe ist das ein sehr sinnvoller und nachhaltiger Ansatz.

 

Was unterscheidet Open-Source-Saaten von den Industrie-Saaten?

Eigentlich müssten wir hier eine Gegenfrage stellen: Wussten Sie, dass die meisten Getreidesorten, welches unsere Bäckereien verwenden, geschützt sind? In der EU ist das das sogenannte Saatgut-Gesetz. In Amerika sind gar die meisten Saaten patentiert.
Das heißt, den meisten Bauern, die Saatgut kaufen, gehört die Saat eigentlich nicht. Sie dürfen es zwar aussäen, aber nicht selbst weiter züchten, ohne dafür zu zahlen. Im nächsten Jahr müssen sie das Saatgut wieder neu kaufen. So stellt der Patentinhaber sicher, dass auch zukünftig Gelder in seine Tasche fließen.

 

Was bedeutet der Anbau von patentierten Saaten für die Bauern?

Die von den Agro-Konzernen vermarkteten Sorten sind primär auf größtmöglichen Ertrag ausgerichtet. Massentaugliche, ertragsstarke Sorten werden für den kaufkräftigen Landwirtschaftssektor gezüchtet. Ein Anbau dieser Saaten ist nur dann wirtschaftlich, wenn er in großem Umfang angebaut wird. Kleinbauern und Nebenerwerbslandwirte werden ausgegrenzt, da sie sich die teuren Saaten schlichtweg nicht leisten können. Die Folgen sind Sortenarmut, einhergehend mit Saatgut-Monopolen, die letztlich nicht für Biodiversität und somit für nicht für Arten-Diversität sorgen.

 

Die ÖDP Hessen begrüßt daher die Aktivitäten der Open-Source-Saaten (OSS). Mehr als 100 Sorten sind inzwischen von der OSS-Lizenz geschützt, von der gelben Cocktail-Tomate »Sunviva« bis zum Winterweizen »Nudelwunder«, von der Kartoffel »Freeka« bis zum Mais »Lisanco«. In den USA, bei der Schwesternorganisation OSSI, sind es knapp 500 Sorten, alle unter dem Slogan:»Einmal Gemeingut, immer Gemeingut«.


Die ÖDP Hessen fordert daher die Landesregierung auf, den Anbau von Open-Source-Saaten zu fördern und verpflichtend Flächenanteile mit Open-Source-Saaten bewirtschaften zu lassen. Der Arten- und Naturschutz darf nicht auf die Randstreifen reduziert werden, die an den Grenzen der Felder einzuhalten sind. Durch gezielte Bepflanzung und Saatenreichtum können wir eine Trendwende in der Landwirtschaft schaffen, zum Wohle der Natur und zum Wohle des Verbrauchers. Die ökologische Züchtung von Nischensorten und der Erhalt der gentechnischen Artenvielfalt muss Vorrang vor der Entwicklung weniger, weil ertragreicher Sorten haben.

Mehr Informationen über das Programm der ÖDP Hessen, die auch in 2023 wieder zur Landtagswahl antreten will, erhalten Sie auf unserer Homepage www.oedp-hessen.de
 

Für die ÖDP Hessen: Frank Deworetzki, Herborn

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