Zeitpolitik?

Neuerdings wird Familienpolitik gerne unter dem Begriff „Zeitpolitik“ angeboten. Ausgangspunkt sind empirische Untersuchungen, die nachweisen, dass Familien im Dauerstress leben und sich mehr Zeit wünschen. Ganz gleich ob Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu betreuen sind – es geht nichts nebenbei.  

Nun kann die Politik die Zeit nicht vermehren. Es bleibt bei 24 Stunden pro Tag und 365 Tagen pro Jahr. Aber Politik könnte die Rahmenbedingungen ändern, unter denen der tägliche Kampf um die 24 Stunden abläuft. Wichtig wäre zum Beispiel die Stärkung von Eltern im Arbeitsrecht: Mehr freie Tage im Krankheitsfall der Kinder. Keine Überstundenpflicht. Keine Nachtschichten für Eltern kleiner Kinder erlauben… Daran denkt aber kaum jemand. Das bestehende familiäre Stress-Problem soll durch die Ausweitung der Randzeiten in den Kitas gelöst werden: Wenn man Kleinkinder auch nachts in die Kita geben kann, haben die Eltern ja Zeit für die Nachtschicht…

Solche Vorschläge kursieren heute als „Zeitpolitik für Familien“. Hier wird „Neusprech“ im Orwell´schen Sinn geübt. Mehr Zeit für Familien gibt es nur, wenn Familien auch mit weniger Erwerbsarbeit finanziell über die Runden kommen. Ein „Grundeinkommen“ für familiäre Care-Arbeit ist die Lösung.


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