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Ersatzhandlung

Es ist wieder einmal geschafft: Die Zeit ist umgestellt. Wozu und weshalb die Aktion durchgeführt wird, weiß niemand so genau. Aber es hat technisch wieder einmal reibungslos geklappt - von den Nebenerscheinungen bei Kindern, Haustieren und (sensiblen) Erwachsenen einmal abgesehen.

Mir kommt das Procedere, zweimal im Jahr an der Uhr zu drehen, mehr und mehr als tiefenpsychologisch begründete Ersatzhandlung vor: Wir spüren, dass von uns allen eine „Umstellung“ verlangt wäre. So vieles ist falsch getaktet. Der Geist der Zeit, der Zeitgeist, ist arm an Geistigem: Nicht nur die absolute Konsumfixierung kommt mir immer blödsinniger vor. Mich erschreckt auch, dass die sog. Unterhaltungsindustrie mehr und mehr dem Gewaltphänomen huldigt. Der allwöchentliche, öffentlich-rechtlich organisierte Kult um Mord und Sadismus am Sonntagabend zeigt das ebenso wie der ungebrochene Trend im Milliardengeschäft elektronischer Spiele. Wie gesagt: Es wäre Zeit, die Zeit umzustellen. Aber das wäre mühsam und grundlegend. Da beweisen wir uns halt wenigstens kollektiv, dass wir Herren über die Uhr sind. Ersatzhandlungen treten an die Stelle von unangenehmen, notwendigen Änderungen des eigenen Verhaltens. Ersatzhandlungen sind in aller Regel sinnlos, im schlimmsten Fall schädlich. Am wirklichen Problem ändern solche Handlungen nichts.  


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