26.06.2017

Noch nicht ganz zufrieden

Bernhard G. Suttner

Der familienpolitisch mächtigste Verband in Deutschland freut sich über einen großen Erfolg, hat aber noch Forderungen an Politik und Gesellschaft: Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und ihr wissenschaftliches Institut (IW Köln) feiern die weitere Verkürzung der Arbeitsplatz-Abstinenz von Müttern nach der Geburt eines Kindes. Schon 2004 hatten Arbeitgeberverbände und IW zusammen mit der damaligen Bundesfamilienministerin Renate Schmidt in einer Denkschrift den „Mangel“ angeprangert, dass in Deutschland die Familienzeit zu lange ist und auf höchsten 12 Monate begrenzt werden sollte… Seitdem arbeiten die wechselnden Regierungen mit der stabilen Arbeitgeberlobby an dem Ziel, die Eltern so rasch wie möglich von ihren Kindern abzuziehen – zurück in die Produktion! Sehr erfolgreich, wie sich jetzt zeigt. Dass die moderne Bindungsforschung dies als bedenklich einstuft, ist der Arbeitgeberlobby herzlich egal.

Trotz der weiteren Verkürzung der Familienzeiten sind die Arbeitgeber keineswegs zufrieden: Es erschreckt sie, dass immer noch rund 30% aller Mütter (und ein paar moderne Väter…) mit Kindern unter 4 Jahren „nicht erwerbstätig“ sind sondern sich in Vollzeit der familiären Sorgearbeit widmen. Schuld seien „Fehlanreize“ bei Steuern und Sozialabgaben wie die beitragsfreie Mitversicherung von Partnern in der Krankenversicherung und das Ehegattensplitting. Man sieht, dass die letzten Reste von Familiengerechtigkeit den Arbeitgeberverband ärgern. Wenn wir nicht aufpassen, werden auch hier in den nächsten Jahren weitere „Erfolge“ erzielt werden…