Herausforderung „und“

Es gibt offenbar immer Wichtigeres zu debattieren und anzupacken als die Überlebensfragen: Ende der 70er Jahre wurden Atomkraftaufklärer und Wachstumsskeptiker gefragt, was sie denn gegen die Baader-Meinhof-Bande zu tun gedenken. Auch in den späteren Jahren hieß es, man habe angesichts der drängenden aktuellen Probleme wirklich andere Sorgen als sich um das dauernde Öko-Gejammer zu kümmern:  Zu viele Ausländer! (Zuwanderung gab es tatsächlich auch schon vor 30 Jahren…). Drohende Zunahme der Jugendkriminalität durch russisch-stämmige Spätaussieder. Erfordernisse der Wiedervereinigung (das ist wohl kaum zu schaffen!). Und immer: Hohe Arbeitslosigkeit! Dann gar noch eine Finanzkrise… Da musste all das Öko-Zeug wirklich warten!

Auch jetzt drückt die Bedrohung durch islamistische Mordanschläge alle Überlebensfragen wieder an den Rand. Welchen Stellenwert haben die Themen „Überhitzung der Erde“, „dramatische Artenverarmung“ und „Vergiftung von Boden und Trinkwasser“ im Vergleich zur „innere Sicherheit“? Die Überlebensfragen finden sich wieder einmal – wie schon so oft in den letzten Jahrzehnten – am Ende der Umfragelisten und der Wählermotive. Es ist bitter, dass moderne Gesellschaften - entgegen aller oft gehörten Behauptungen - nicht dazu fähig sind, wichtige Probleme gleichzeitig zu bearbeiten und auf ein kurzfristiges Ranking zu verzichten. Das geheime Zauberwort heißt „und“: Das eine tun und das andere auch. 


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