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Erkenntnisse eines (Hoch-)Staplers

Ich bin ein Stapler. Darauf bin ich nicht stolz. Zeitungsausschnitte, Notizen, Exzerpte – alles, was „man später bestimmt noch lesen wird“, kommt auf den Stapel neben der Tastatur oder auch auf den Stapel neben dem Esstisch oder auf irgendeinen anderen Stapel… Mittlerweile gibt es erfolgreich-geschäftstüchtige Beraterinnen, die einem das Laster der Hoch-Stapelei abgewöhnen wollen. Sie verlangen Geld für die Motivation zum schnellen Wegwerfen. Ich habe bisher erfolgreich einem solchen Training widerstanden.

In den letzten Tagen ist es mir aber gelungen, zwei sehr hohe Stapel durchzusehen und zu reduzieren. Dabei ist mir eine Erkenntnis zugewachsen: Viele politische Ideen sind genau besehen uralt, kommen aber niemals voran. In den Tiefen meiner Stapel fiel mir z.B. ein Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 2016 auf, in dem das Elend der internationalen „Subsubsub-Unternehmerei“ angeprangert wird. In dem Text ist auch zu lesen, dass sich das Bundeskabinett „an diesem Mittwoch“ mit dem Problem befassen wird. Die Schlachtindustrie hatte ganz offensichtlich nichts davon zu befürchten…

Viele Berichte und Kommentare habe ich in den unteren Schichten meiner Stapel auch zum Thema „Finanztransaktionssteuer“ gefunden. Und natürlich: Jede Menge Alarmrufe der Klima- und Biodiversitätsforscher. Fast immer mit dem Hinweis: Die Zeit wird knapp!

Das Abarbeiten eines Stapels bringt die traurige Erkenntnis: Die Dinge sind seit langem bekannt. Es geschieht zu wenig. Und fast immer zeigt sich, dass richtige und wichtige Maßnahmen an erfolgreicher Lobbyarbeit scheitern.

Bernhard Suttner


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