Demokratie ohne Wahl?

Der Soziologe Harald Welzer ist ein kluger Mann. Seine Bücher liest man mit Gewinn. Seine Vorträge fesseln die Zuhörer. Seine Diskussionsbeiträge haben Gewicht. Derzeit treibt ihn – wie so viele nachdenkliche Zeitgenossen - die Sorge um die Zukunft der Demokratie um. Angesichts der Erfolge autoritärer Systeme ist diese Sorge wohl berechtigt. Welzer sagt ganz zurecht, dass die Demokratie, an die wir uns in den letzten 70 Jahren gewöhnt haben keine historisch unveränderliche Selbstverständlichkeit ist. „Es gibt Demokratie nur, wenn es genug Menschen gibt, die für Demokratie eintreten“ sagte Welzer kürzlich in München. So einfach. So wahr.

Es ist gerade mal drei Jahre her, da verkündete der gleiche Herr Professor Welzer lauthals, dass er nicht zur Wahl gehe. Keine Partei habe ein echtes Programm für die Zukunft… Die Stimmabgabe habe deshalb keinen Sinn.

Jetzt kann man natürlich behaupten, Demokratie sei mehr als Beteiligung an der Wahl. Das ist freilich wahr. Aber ich kann mir keine Demokratie ohne Wahlen vorstellen. Ich hoffe, dass sich Herr Welzer im kommenden Jahr von seinem Aufruf zum Wahlverzicht distanziert und öffentlich anerkennt, dass es sehr wohl mindestens eine Partei gibt, die ein Zukunftsprogramm hat… 


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