Das große Rententabu

Es zeichnet sich deutlich ab: Der kommende Bundestagswahlkampf wird nicht nur eine Auseinandersetzung um die Migrationsprobleme, sondern vor allem auch eine harte Rentendebatte bringen. Es zeichnet sich leider auch ab, dass dabei die strukturelle Ungerechtigkeit gegenüber den Eltern weiterhin verschwiegen, verdrängt und tabuisiert werden wird. In einem umlagefinanzierten Versicherungssystem wie dem unseren geht es nicht ohne leistungsbereite Nachkommen. Man kann gerne darüber diskutieren, ob nicht ein anderes System angesichts der dramatischen gesellschaftlich-technischen Änderungen denkbar und sinnvoll wäre – solange aber das heutige Umlageverfahren Bestand hat, muss die einfache Wahrheit betont werden: Wer Kinder aufzieht, trägt und erhält das Rentensystem, zahlt aber persönlich die Zeche. In der Regel fehlen vor allem den Müttern aufgrund von Erziehungszeiten und reduzierter Erwerbsarbeit schlicht die nötigen Rentenpunkte. Der Weg in die Altersarmut ist vorprogrammiert. Gerecht wäre auch bei der Rente das, was das Bundesverfassungsgericht für die Pflegeversicherung durchgesetzt hat: Wer keine Kinder hat, zahlt höhere Beiträge; wer Kinder hat, zahlt weniger. Das ist das große Tabu: Niedrigere Rentenbeiträge für Eltern, volle Anerkennung der Erziehungszeiten als geldwerte Beiträge. Wetten, dass darüber im Bundestagswahlkampf nicht debattiert werden wird?


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